8. November 2023

„Dis­si­denz ist vani­ty fair unter ver­schärf­ten Bedingungen.”
(Leser ***)

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Was als poli­ti­sche Wahr­heit gilt, ist eine Fra­ge des Datums. Das ändert nichts dar­an, dass der­je­ni­ge, der sie zu früh aus­ge­spro­chen hat, bis in den Fünf­ten Akt der Schur­ke bleibt.

Wer in den ver­gan­ge­nen Tagen ver­folgt hat, wie das Gros der Hal­tungs­jour­na­lis­ten, vor­an Spie­gel, Zeit, Süd­deut­scher Beob­ach­ter, FAZ, die mus­li­mi­schen Macht­de­mons­tra­tio­nen auf deut­schen Stra­ßen ver­klei­nert, ver­nied­licht, auf die hin­te­ren Mel­de­plät­ze ver­wie­sen und ver­ständ­nis­voll „dif­fe­ren­ziert” betrach­tet hat, wird wohl einer ande­ren Dif­fe­ren­zie­rung zustim­men, die ich hier gele­gent­lich in Vor­schlag brach­te, näm­lich jener zwi­schen Lügen‑, Lücken- und Lum­pen­pres­se. Was Let­ze­re betrifft, mag sich jeder aus­ma­len, wie die­sel­ben Gazet­ten auf­ge­jault und den Staats­not­stand her­bei­ge­schrie­ben hät­ten, wenn bio­deut­sche Rechts­extre­me, und wäre es nur ein Hun­derts­tel der mos­le­mi­schen Tumul­tan­ten, unter dem Aus­schrei­en juden­feind­li­cher Paro­len und kle­ri­kal­fa­schis­ti­scher Macht­er­grei­fungs­dro­hun­gen durch Ber­lin gezo­gen wären.

(Link)

Zu den basa­len Eigen­schaf­ten des Lum­pen­jour­na­lis­ten gehört, neben der Feig­heit, die bis in die Band­schei­ben­schä­den rei­chen­de Tiefenverlogenheit.

Wer erin­nert sich nicht mit Grau­sen an die täg­li­chen Angrif­fe auf jüdi­sche Ärz­te, Epi­de­mio­lo­gen und Impf­mo­no­po­lis­ten wäh­rend der Lock­downs? Die vom Gesicht geris­se­nen David­stern­mas­ken? Und an die Schein­hin­rich­tun­gen erst!

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Gaza lässt die ers­ten Gei­seln frei. Kein Wun­der eigent­lich, dass es sich um Men­schen aus der Hei­mat des Füh­rers handelt.

Der Ori­en­ta­lo­mär­ker ist wohl das Gegen­stück zum Afro­krai­ner.

PS: „Es han­del­te sich nicht um Gei­seln, son­dern in Gaza sich gera­de auf­hal­ten­de Aus­län­der (wegen mir auch ‚Aus­län­der’), die den Gaza­strei­fen über Rafah ver­las­sen konn­ten”, kor­ri­giert Leser ***.

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„Irgend­wann wird ein geschwin­dig­keits­re­gu­lier­ter Döner­spieß die moderns­te Pro­duk­ti­ons­an­la­ge in Rest­ger­ma­ni­en sein.”
(Netz­fund­stück)

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Die Kecks­ten unter den Gen­de­ris­tas beden­ken die künf­ti­ge Rechtslage.

Wenn ich es rich­tig ver­ste­he, sol­len Frau­en künf­tig nur bis zur Hüf­te ein­ge­gra­ben wer­den. Mus­li­mi­sche Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te wer­den sich der Sache sicher annehmen.

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Von einer gewis­sen Stei­ni­gungs­re­le­vanz ist die fol­gen­de Meldung.

Text: „40 Pro­zent der Stim­men hat die AfD an den teil­neh­men­den Schu­len im Wahl­kreis Ful­da II erhal­ten. Damit liegt die Par­tei vor der CDU (31,9 Pro­zent) und weit vor der SPD (8,8 Pro­zent). ‚Dass die AfD bei den Jugend­li­chen unse­rer Gemein­de ein hohes Anse­hen genießt, ist uns im Unter­richt nicht ver­bor­gen geblie­ben’, sagt And­ree Harms, Schul­wahl­lei­ter der Von-Galen-Schu­le in Eichen­zell und Poli­tik­leh­rer. An der Eichen­zel­ler Schu­le war die AfD mit 36 Pro­zent der Stim­men die stärks­te Kraft. Über­ra­schend sei neben dem kla­ren Erfolg der AfD das schlech­te Abschnei­den der Grü­nen gewe­sen, berich­tet Harms. Sie erhiel­ten nur zwei Stim­men und damit eine weni­ger als die Sati­re­par­tei ‚Die Partei’.”

Was heißt, es sei „im Unter­richt nicht ver­bor­gen geblie­ben”? Wer hat da gepennt? Das muss Kon­se­quen­zen haben! Allahusakra!

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Seit ca. 1968 fin­det bekannt­lich ein Pro­zess gegen Deutsch­land statt, bei dem nur Belas­ten­des, nie Ent­las­ten­des ermit­telt wur­de. Die Post­ko­lo­nia­lis­ten eröff­nen den nächs­ten Fall.

Anders als die Hamas ver­schwei­gen die ver­klemm­ten Deut­schen ihre bru­ta­len Ver­bre­chen lie­ber. Das erin­nert mich an eine „Sta­lina­de”: Einer der Zaren­mör­der, wahr­schein­lich war es Jakow Jurow­ski, trug Sta­lin die Idee vor, ein Buch über die Ermor­dung der Roma­nows zu schrei­ben. „Genos­se”, ver­setz­te der Dik­ta­tor lächelnd, „nicht alles eig­net sich zum Prahlen.”

Den nach­träg­li­chen deut­schen Selbst­be­zich­ti­gungs­fu­ror konn­te sich der Woschd natur­ge­mäß nicht vorstellen.

In Rede steht der soge­nann­te Maji-Maji-Auf­stand, der sich zwi­schen 1905 und 1907 zutrug und den uns die Post­ko­lo­nia­lis­ten als Befrei­ungs­be­we­gung ver­kau­fen wol­len. Dazu gibt es frei­lich auch ande­re Mei­nun­gen. Der kana­di­sche His­to­ri­ker Bruce Gil­ley etwa schreibt: „Die locke­re Ansamm­lung von Kriegs­herrn und ara­bi­schen Skla­ven­händ­lern, die sich bei die­sem Auf­stand zusam­men­rot­te­te, um die Deut­schen zu ver­trei­ben, woll­te nie­man­den befrei­en. Es war ihr aus­drück­li­ches Ziel, ihre alt­her­ge­brach­ten Pri­vi­le­gi­en durch das Plün­dern und Über­fal­len schwä­che­rer Stäm­me wie­der­zu­er­lan­gen, Skla­ven zu hal­ten und zu ver­kau­fen, mit Frau­en zu han­deln und neue Han­dels­eli­ten von der Macht aus­zu­schlie­ßen.” Der „eigent­li­che Befrei­ungs­kampf” sei der Kolo­nia­lis­mus gewe­sen. Die Ngo­ni-Feld­her­ren, die den Auf­stand anführ­ten, sei­en grau­sa­me Kriegs­trei­ber gewe­sen, die vor allem schwä­che­re Stäm­me aus­plün­der­ten und deren Ange­hö­ri­ge töte­ten, bevor die Deut­schen kamen und für Ord­nung sorg­ten. „Anti­ko­lo­nia­le For­scher haben die Todes­zah­len ins Astro­no­mi­sche getrie­ben”, notiert Gil­ley, „indem sie alle spä­te­ren Todes­op­fer durch Hun­ger, Seu­chen und Stam­mes­kon­flik­te dazu­zäh­len, die nach der deut­schen Nie­der­schla­gung des Auf­stan­des star­ben. Egal, wie hoch die­se zivi­len Opfer­zah­len waren – die­se Toten waren Opfer des Auf­stan­des, nicht der deut­schen Ord­nungs­macht. Die Rebel­len zer­stör­ten den Frie­den, den die Deut­schen gebracht hat­ten.” Die „Legen­de” der Maji-Maji als „gute Natio­na­lis­ten“ habe erst der bri­ti­sche His­to­ri­ker John Ilif­fe im Diens­te des post­ko­lo­nia­len Dik­ta­tors Juli­us Nye­re­re erfun­den, „der einen Grün­dungs­my­thos suchte”.

Gil­ley erin­nert an die Kon­fe­renz des Deut­schen His­to­ri­schen Muse­ums in Ber­lin im Novem­ber 2005 zum hun­dert­jäh­ri­gen Gedenk­tag des Maji-Maji-Auf­stands, als der His­to­ri­ker Chris­toph Sehms­dorf die anwe­sen­den Kolo­ni­al­kri­ti­ker mit der Fest­stel­lung ent­setz­te, „dass der deut­sche Kolo­nia­lis­mus im Grun­de nur Vor­tei­le für die Ein­hei­mi­schen hat­te, dass die Nie­der­schla­gung der Maji-Maji gerecht­fer­tigt war und gro­ße Unter­stüt­zung der Ein­hei­mi­schen genoss”.

Dies nur fürs Pro­to­koll und zur Wah­rung einer gewis­sen Ausgewogenheit.

Der deut­sche Kolo­nia­lis­mus brach­te in der Tat Vor­tei­le für die Ein­hei­mi­schen, spe­zi­ell in Ost­afri­ka, der Hei­mat der „Schlaf­krank­heit”. Die­ses töd­li­che Lei­den wird durch win­zi­ge Para­si­ten, soge­nann­te Try­pa­no­so­men, aus­ge­löst, die von der Tse­tse­flie­ge ver­brei­tet wer­den. Sie flu­ten das Lymph­sys­tem, gehen ins Blut über, füh­ren zu Fie­ber, Öde­men, Herz­ra­sen, bis sie das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem errei­chen und die Infi­zier­ten in den namens­ge­ben­den Däm­mer­zu­stand ver­set­zen. Schließ­lich ster­ben die Pati­en­ten. Nach eng­li­schen Berech­nun­gen star­ben allein in Bri­tisch-Ugan­da von 1901 bis 1907 bis zu 300.000 Men­schen, in ganz Ost­afri­ka waren es allein 1903 eine Million.

Drei Jah­re spä­ter begab sich eine Grup­pe von Medi­zi­nern um Robert Koch im Auf­trag der Kolo­ni­al­ab­tei­lung des Aus­wär­ti­gen Amtes in die Kolo­nie, um eine The­ra­pie gegen die mör­de­ri­sche Infek­ti­on zu ent­wi­ckeln. Zu ihnen gehör­te Kochs Mit­ar­bei­ter Fried­rich Karl Klei­ne, ein preu­ßi­scher Ober­arzt. Die For­scher schlu­gen ihr Lager auf den Sese-Inseln auf, wo inner­halb weni­ger Jah­re zwei Drit­tel der Bevöl­ke­rung der Schlaf­krank­heit zum Opfer gefal­len waren. Nach meh­re­ren Anläu­fen, die Seu­che mit her­kömm­li­chen Mit­teln zu bekämp­fen – die enga­gier­tes­ten Post­ko­lo­nia­lis­ten spre­chen von „Men­schen­ver­su­chen” –, wur­de 1916 der Wirk­stoff „Bay­er 205“ ent­wi­ckelt, spä­ter „Ger­ma­nin“ genannt. 1921 tes­te­te es Klei­ne erst­mals an Schlaf­kran­ken in Nord­rho­de­si­en, dem heu­ti­gen Sam­bia. Das Mit­tel wur­de tau­sen­den Erkrank­ten inji­ziert. Die Hei­lungs­ra­te lag bei nahe­zu 100 Pro­zent. (Das Robert-Koch-Insti­tut erin­nert auf sei­ner Web­sei­te an die huma­ni­tä­re Großtat.)

„Auf­grund die­ser einen medi­zi­ni­schen Errun­gen­schaft”, schrie­ben die gha­nai­schen His­to­ri­ker Isaac Bra­ko und Seth Peter Frim­pong (zitiert nach Gil­ley), „kann man die deut­sche Prä­senz in Afri­ka als völ­lig gerecht­fer­tigt bezeichnen.“

Es waren schon merk­wür­di­ge „Völ­ker­mör­der”, die­se Deutschen.

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(Netz­fund)

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Ver­le­ser des Tages: post­ko­ital statt post­ko­lo­ni­al.

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Die meis­ten Büh­nen in ’schland fes­seln ihr Publi­kum auf der Höhe der Zeit.

Man­che indes ent­fes­seln die längst über­wun­den geglaub­ten Pla­gen des Ras­sis­mus und der Toleranzkraftzersetzung.

Die Auf­füh­rung sei zur „Far­ce“ gewor­den, rüg­te die kul­tur­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Frak­ti­on Volt in der Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, Brit­ta Woll­kopf, schreibt die FAZ. Der Auf­tritt einer „schwarz ange­mal­ten Per­son” sei „Black­fa­cing, wie wir es aus Auf­füh­run­gen der letz­ten Jahr­hun­der­te ken­nen und wie wir es in unse­rer heu­ti­gen auf­ge­klär­ten Zeit nicht mehr erwar­ten und erst recht nicht tole­rie­ren.” Eine grü­ne Sekun­dan­tin sprang der Auf­klä­rungs­voll­stre­cke­rin hilf­reich und wort­ge­treu zur Seite.

Die Opern­ras­sis­ten ver­such­ten sich damit her­aus­zu­re­den, dass die Figur den ägyp­ti­schen Gott Anu­bis ver­kör­pe­re, der nun mal mit einem schwar­zen Scha­kal­kopf dar­ge­stellt werde.

Es han­delt sich folg­lich sogar um Black­fa­cing, wie wir es aus Auf­füh­run­gen der letz­ten Jahr­tau­sen­de ken­nen und nicht mehr tole­rie­ren. Die Rol­le mit einem unge­schmink­ten metro­se­xu­el­len Anu­bis zu beset­zen, der unter der Regen­bo­gen­fah­ne in wil­der Ehe mit Osi­ris lebt und das Publi­kum mit post­ko­lo­nia­len Scha­ra­den unter­hält, wäre das Min­des­te, was die Oper Frank­furt tun müss­te, um auf die Höhe die­ser gro­ßen und herr­li­chen Zeit zurückzukehren.

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Leser *** fin­det „die Begrün­dung des Ver­fas­sungs­schut­zes Sach­sen-Anhalt für die Ein­stu­fung der AfD ver­wir­rend. Da heißt es, der Lan­des­ver­band der AfD ver­su­che fort­wäh­rend, das demo­kra­ti­sche Sys­tem und des­sen Insti­tu­tio­nen und Ver­tre­ter lächer­lich zu machen. So sol­le das Ver­trau­en der Bevöl­ke­rung in die­se ero­die­ren. Außer­dem wol­le der Lan­des­ver­band ein eth­no­kul­tu­rell homo­ge­nes Staats­volk und die Aus­gren­zung von Men­schen auf­grund ihrer Her­kunft und Religion.
Das wirft Fra­gen auf. Zum Bei­spiel, wie­so man Insti­tu­tio­nen des Staa­tes und sei­ne Ver­tre­ter nicht lächer­lich machen darf. Ich weiß, Kaba­rett im eigent­li­chen Sin­ne, wie frü­her, gibt es nicht mehr (außer Die­ter Nuhr). Aber von einem Ver­bot hät­te ich nichts gehört. Ich ken­ne noch das Düs­sel­dor­fer Kom­möd­chen und die Münch­ner Lach- und Schieß­ge­sell­schaft. Wären die jetzt als rechts­extrem ein­zu­stu­fen? Die haben per­ma­nent alles und jeden in Bonn lächer­lich gemacht. Und Ver­trau­en in den Staat? Ich dach­te eigent­lich, ein gesun­des Miss­trau­en gegen­über dem Staat sei nor­mal in einer Zivil­ge­sell­schaft, die checks and balan­ces gegen­über staat­li­cher Will­kür errichtet.
Was das homo­ge­ne Staats­volk betrifft, das ja ein offen­bar ver­werf­li­ches Kon­zept sein soll – bedeu­tet das im Umkehr­schluss, dass Mul­ti­kul­ti à la Jugo­sla­wi­en (mit dem bekann­ten Ende) oder nach Art von Staa­ten wie Nige­ria jetzt eine Art grund­ge­setz­li­cher Zwang ist? Den ent­spre­chen­den Para­gra­phen muss ich bis­her über­se­hen haben.
Zur Lächer­lich­ma­chung staat­li­cher Orga­ne möch­te ich noch wis­sen: Was ist denn, wenn die­se Orga­ne oder Ver­tre­ter sich selbst lächer­lich machen? Müss­te man eigent­lich nicht sagen, dass gera­de der VS sich lächer­lich macht, indem er für die Ein­stu­fung der AfD als rechts­extrem der­ma­ßen hane­bü­chen bizar­re Grün­de anführt?
Soll­te sich der VS jetzt also selbst beobachten?”

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Die Wun­der der Tech­nik machen es nicht nur mög­lich, dass man Hotel­be­wer­tun­gen aus dem Gaza­strei­fen lesen und sich die Her­ber­gen via Goog­le-Maps aus der Luft anschau­en kann, son­dern ich erfah­re mit drei Klicks, wie vie­le Men­schen aus wel­chen Län­dern im Klei­nen Eck­la­den ver­keh­ren. In den letz­ten 28 Tagen hat­ten die Acta bei­spiels­wei­se in Indo­ne­si­en 178 Leser, in Turk­me­ni­stan 133, im Iran 99, in der Tür­kei 85, in Ägyp­ten 19, Kolum­bi­en 9, Tan­sa­nia 7, Kenia 4, Nige­ria 3, Tschad 2. Im Kon­go und im Sudan liest mich kei­ne Sau.

PS: „Cher Mon­sieur Klonovsky,
Togo 1. Ça va aller.”

 

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